Statements (13)

07-2018

Objekte (status quo)

 

I.

Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wider,

sondern macht sichtbar.

(Paul Klee, 1879 – 1940)

 

Die Objektgestaltung (Konrad Fiedler sprach u. a. auch vom Gestalten) und die Objektkunst hat ihre Wurzeln (bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert?) in den Anfängen des 20. Jahrhunderts. (Insofern man das objet trouve und das ready made schon als Objekt an sich sieht.) Hans Arp schuf seine ersten amorphen und biomorphen Reliefs aus Holz bereits 1916. (Hier sind noch deutlich die Holzschrauben zur Montage der Elemente an der Oberfläche zu sehen, die lediglich von ihm übermalt wurden.)

WVZ 5-3-18, Acryl auf Kiefer-Sperrholz, "seltsame Frucht (Frankfurter Erdnuss)", 2018, ca. 38,5 x 55

Kennzeichen der Definition „Objekt“ ist eine Sonderstellung, worunter weder Grafik, noch Malerei, noch Bildhauerei zu subsummieren ist. Sofern sich das orthogonale Format der Grafik und der Malerei auflöst, könnte man vom Objekt reden. Frank Stella hat in den 70-er, 80-er Jahren die von der Malerei weg zum objekthaften Charakter mit seinen „shaped canvases“ geführt. Mit ihm wurde auch der Begriff „nonrelational art“ geprägt. Wie die Bezeichnung schon sagt, sind dies Leinwandbilder, denen aber nicht orthogonales Aussehen eigen ist, sondern als freie Formen gestaltet sind. (Das Nachspannen der Leinwand mittels Keilen ist hier natürlich nicht möglich.)

WVZ 1-2-18, Acryl auf Kiefer-Sperrholz, "Die Früchte der Erkenntnis", 2018, ca. 49 x 50,5

Großformatige Bilder können nur in Leinwand (Stoff) auf eigens zurechtgeformten Rahmen realisiert werden. Freie Formen können im kleinen bis mittleren Format (max. 1 qm) vorzugsweise in planem Holz gefertigt werden. Dies ist eigentlich der ideale Werkstoff. Holz ist ein alter, traditioneller Bildträger. (Das berühmteste Bild der Welt, von Leonardo da Vinci gemalt, befindet sich im Louvre, und ist auf Pappelholz gemalt.) Leider haftet ihm (dem Holz) heute ein etwas minderwertiger, billiger Beigeschmack an. Holz zählt heutzutage eher zu den „armen“ Werkstoffen der Künste, im Gegensatz zur edlen Leinwand.

WVZ 3-1-18, Acryl auf Sperrholz, "Graben (kämpfen)", 2018, ca. 38 x 49

Unter starkem Einfluss des Frankfurter Künstlers Raimer Jochims in den 80-er Jahren begann meine Reise in die Welt der Objektgestaltung zunächst mit dem Werkstoff „recyceltes Holz“, unter der Industriebezeichnung „Spanplatte“ bekannt. Heute realisiere ich meine Objekte ausschließlich in Sperrholz. Leider haftet auch diesem Holzwerkstoff etwas Amateurhaftes, ein gewisser „Bastelcharakter“, an. (Jungen basteln im Werkunterricht ein Vogelhäuschen , ein Eselbarometer, einen Serviettenhalter aus Sperrholz usw.)

WVZ 6-1-18, Acryl auf Sperrholz, "Verdeck - verdecken", 2018, ca. 44 x 57

So wie der Designer eine Logotype entwirft, versuche ich formprägnante Formen in Flächen zu gestalten. Der Unterschied ist der, dass das eine, im monetären Sinne, zweckgebundene Schöpfungen sind, das andere zweckfreie Bildwerke; während Druckerzeugnisse der Grafik-Designer oft in der Altpapiertonne landen, sind die Objekte auf dauerhaften Bestand ausgelegt.

WVZ 2-1-18, Acryl auf Sperrholz, "ausgleichen (Oben - Unten), 2018, ca. 48 x 63

Bei einem Logo findet formal-ästhetisch eine „Verdichtung“ der Form(en) statt. So will ich mit meinen Objekten eine Art „Abkürzung“ mittels formaler Bestandteile erreichen. Eine weitere Reduzierung der Form(en) ist nicht mehr möglich. So entsteht auch eine „Sinnverdichtung“, dann im ikonografischen Sinne.

WVZ 8-12-17, Acryl auf Sperrholz, "Label (grauer Rauch)", 2017, d = 30,5

(Bisweilen können Logos und Symbole aus der Welt der Warenästhetik und Warenwirtschaft – Werbung, Ästhetik unter dem Deckmantel der Verkaufsförderung – auftauchen. Dies sollte als Zitat einer kritischen Unterziehung verstanden werden.)

WVZ 3-12-17, Acryl auf Sperrholz, "nimm mich mit K. (Durchdringung)", 2017, ca. 39 x 46

Symbole sind individuelle Bedeutungsträger, Zeichen sind abstrakt und allgemeingültig. (Definition nach Jean Piaget.) Auch Farben können symbolische Wirkung haben.

WVZ 7-12-17, Acryl auf Sperrholz, "Geäst (Rechtsabbieger)", 2017, ca. 35 x 47

Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) sprach einmal vom Unvermögen der Sprache, das Wesen der Welt auszudrücken. Es sind immer nur Annäherungen. So bedarf es meiner Meinung nach der Ergänzung der Sprachlogik in der Definition eines abstrakten Bildwerkes. Mit dem Bildtitel (eines nichtgegenständlichen Bildes – wenn nicht gerade tausend Worte) soll das Universum der formalen Bildmöglichkeiten benannt, definiert werden.  Gerade für Unbeflissene dient dies als Hinweis, Vorschlag, Gedankenstütze usw., welches zum Verständnis beitragen soll. (Die gemeinigliche Frage „was soll es darstellen?“ deutet wohl eher auf nichteingeübte oder -geschulte Betrachtungserfahrungen und visuellen Erkenntnissen hin.) Das ganze Repertoire der sprachlichen Figuren steht zur Verfügung. Phantasie ist das Spiel der Korrelation zwischen Bildwirklichkeit und Sprachlogik.

WVZ 12-12-17, Acryl auf Sperrholz, "verinnerlicht", 2017, ca. 34 x 46

Meine Kreationen sind im nichtgegenständlichen (abstrakten), jedoch relationalen Bereich angesiedelt. (Siehe Zitat Paul Klee eingangs.) Es wäre ein Unding derartige, realitätsbezogene oder gegenständlich oder figürliche Objekte zu schaffen. Fläche ist das Charakteristikum einer planen Holzplatte. (Matisse gab die räumliche Illusion in der Darstellung auf und wandte sich später der flächenhaften Darstellung der Objektwelt zu.)

WVZ 13-12-17, Acryl auf Sperrholz, "Betonpflaster (SF)", 2017, 29 x 34

Die platte Floskel „das kann ich auch“ entgegnet die Tatsache, dass der- oder diejenige es letztendlich doch nicht „macht“, weil er oder sie keinen Sinn darin sieht oder einfach die Zeit dafür fehlt.

VZ 14-12-17, Acryl auf Sperrholz, Relief, "Landschaft aus Beton (Landschaft mit Beton)", 2017, 42 x 29

Ausgehend von Thumbnail-Skizzen (je kleiner eine Entwurfsskizze angelegt ist, desto besser hat man die Komposition im Griff) werden ausgewählte Entwürfe stufenweise über optomechanischem Weg (Epidiaskop) auf den Bildträger projiziert und übertragen. Wichtig beim Entwurf ist die Definition der senkrechten Ausrichtung (Lot) der jeweiligen Form. Komposition im eigentlichen Sinne vollzieht sich nicht nur in der Binnenstruktur des Objektes, sondern auch in der Ausrichtung und den Verhältnissen der Umform zum umgebenden Raum an der zweidimensionalen Wand.

WVZ 2-12-17, Acryl auf Sperrholz, "wagen (Er, damals in Odessa - Weintraubenbalancieren)", 2017, ca. 54 x 47

Die Form wird nun mittels Elektrowerkzeugen aus der orthogonalen Fläche ausgeschnitten. Alle, die meisten, Objekte zeigen eine Distanz zur Basisfläche (Wand) um den materiellen Charakter des Bildträgers zu betonen. Nicht selten entstehen in mehreren Schichten verleimte Holzplatten zu Reliefs.

WVZ 1-10-17, Acryl auf Sperrholz, "Kompliment - komplementär (so als ob)", 2017, ca. 38,5 x 55

A priori ist die Form (Formen, Binnenstrukturen) gegeben, ergänzt wird diese durch die Farbgebung. Mit anderen Worten: die Farbe ordnet sich der Form unter. Mitunter können sich bizarr-anmutende Gebilde ergeben, wenn z.B. aggressive, spitze Formen und ruhende, runde Formen, oder sich nicht harmonisierende Farben in einem Objekt zu vereinen scheinen und so eine Einheit in Widerspruch bringen können.

 

Bild Zeitung

II.

Das Wort ist wie der Körper,

der Sinn wie die Seele.

(Ibn Esra 1092 – 1167)

 

WVZ 2-11-17, Acryl auf Sperrholz, "Objekt: "Vorsicht Ausfahrt!", 2017, 32 x 23.

Schilder werden heute nicht mehr oder nur selten, gemalt. Die Arbeit des Schilder- und Lichtreklameherstellers erstreckt sich heute im elektronisch-gesteuerten (digitalen) Schneiden von Folien (Schneideplotter) und das Anbringen dieser auf den Werbeträger. Schilder sind vor allem die Domäne der Werbewirtschaft. So können, neben industriell hergestellten Schildern, individuell angefertigte Schilder erstellt werden. Die Werkstoffe hierfür sind ausschließlich Kunststoffe.

WVZ 11-1-18, Faserstift, Acryl auf Sperrholz, "Objekt: Landwirtschaftlicher Verkehr...", 2018, 38,5 x 27,5

Meine Schilder sind keine Schilder, sondern manuell erstellte Objekte aus Holz, die wie Schilder anmuten. (Bestenfalls als schlechte Typografie zu bezeichnen.) Das Handwerk des ehemaligen Schildermalers (bis zum Beginn des industriellen, serienmäßigen Druckes) erforderte ein hochkonzentriertes, penibles Arbeiten mit dem Schlepppinsel unter höchster Konzentration und eingeübter Atemtechnik.

WVZ 5-11-17, Acryl auf Sperrholz, "Objekt: "Mobbing...", 2017, 38 x 27,5.

Ein Schild ist kein Bild! Die Prägnanz und der appellative Charakter der Worte können Sätze entstehen lassen, aber weniger einen Text. In der gegebenen Kürze der Formulierung liegt aber oft die unbeabsichtigte Kreierung einer Ellipse. Wer ein nüchtern erscheinendes Schild nicht metaphorisch versteht, hat keine Phantasie!

Wer die Schilder liest, ist selber schuld!

WVZ 2-6-18, Acryl auf Sperrholz, "Objekt: "iniuria dolere", 2018, 38 x 26,5

(im Juli 2018)